Der Hund aus dem Tierheim - ein Second-Hand Hund
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Wie kommen Hunde ins Tierheim, was geschieht dort, wer will sie und wer bekommt sie? Beim ersten Gang durch die Zwingeranlagen wird dann erst einmal "ausgesiebt"

- der ist zu alt
- der ist zu gross (oder zu klein)
- der sieht nicht gesund aus
- der wirkt aggressiv
- oh Gott, das ist ja ein Kampfhund....

Infolge dieser Kriterien ist es klar, dass Welpen oder kleine "Schmusehunde", die einem mit treuen Blick anschauen, sich winselnd am Gitter hochstellen und bettelnd die Pfötchen heben, nicht lange im Tierheim bleiben. Sie finden sehr schnell jemanden, der sich ihrer erbarmt - häufig eine Entscheidung, die innerhalb von wenigen Minuten gefällt wird.
Nicht selten werden diese kleinen Goldstücke nach zwei bis drei Monaten wieder zurückgebracht, weil sie zugebissen haben. Weshalb - das können die Besitzer nicht sagen. "Völlig grundlos" heisst es immer.

Im Gegensatz zu denjenigen, die sich für einen kleinen Hund oder einen Welpen entscheiden, machen sich die Interessenten für einen grossen Hund meistens von Anfang an mehr Gedanken über Erziehung und Haltung des Hundes und auch von Seiten des Tierheims wird viel mehr Wert auf "passendes Umfeld" gelegt.
Dennoch geschieht es auch bei grösseren Hunden immer wieder, dass sie nach ein paar Wochen zurückgebracht werden weil "der Hund plötzlich aggressiv geworden ist". Auch hier wissen die Besitzer keinen Grund für dieses Verhalten und schieben es auf frühere "schlechte Erfahrungen" zurück.
Das mag in einigen Fällen auch zutreffen. Häufig werden Probleme, die mit einem Hund aus "zweiter Hand" entstehen, jedoch von den Besitzern selbst hervorgerufen und resultieren aus deren Mitleid mit dem armen, abgeschobenen Wurm, den sie von seinem schweren Schicksal erlöst haben. Geradezu automatisch schiesst wohl jedem Menschen der Gedanke durch den Kopf, dem armen Tier seine Vergangenheit vergessen zu lassen - ab jetzt soll ihm nur noch Gutes widerfahren. Genau aus diesem Gedanken heraus wird aber oftmals der Grundstein für eine problematische Hund-Halter-Beziehung gelegt.

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Kommt ein Hund in eine neue Familie, dann wird er die ersten Zeit nur beobachten. In der Regel "entpuppt" sich ein "Second-hand-Hund" erst nach vier bis sieben Wochen (Durchschnittswert infolge Rückgabezeit ins Tierheim). Er muss erst die Rangverhältnisse in seinem neuen Familienrudel kennenlernen, das heisst, er lotet ganz genau aus, wer bei Ihnen zu Hause "die Hosen anhat", also wie die Rangordnung, die vom "Alphatier" angeführt wird, aufgebaut ist. Dies ist der wichtigste Zeitraum für das spätere problemlose Zusammenleben mit dem neuen Hausgenossen.

Er muss vom ersten Tag an erkennen, dass er in eine Familie mit geklärter und stabiler Rangordnung gekommen ist und dass hier ein Chef ist, dem man in jeder Lebenslage vertrauen kann. Durch liebevolle, aber absolut konsequente Behandlung mit klarer Grenzsetzung vom ersten Tag an bildet sich eine vertrauensvolle Beziehung zu den neuen Besitzern aus, und der Hund wird sich glücklich und zufrieden in seine Stellung als letztes Glied der Rangordnung einfügen.
Aber Viele Menschen lassen ihrem Hund aus Mitleid heraus, er soll ja seine schlechte Zeit schnell vergessen, tun was er will. Statt ihm allerdings, wie beabsichtigt, Gutes zu tun, verunsichern sie ihren Hund damit. Denn ein Hund braucht eine konsequente, stabile Führung, um Vertrauen und Sicherheit zu entwickeln.
Durch inkonsequente Behandlung seitens des Menschen kann sich niemals eine stabile Rangordnung ausbauen. Und die braucht ein Hund um sich wohl zu fühlen. Wenn der Hund keinen "ordentlichen" Chef unter seinen Menschen findet, dann wird er die Aufgabe, zum Schutz seines neuen Rudels, selbst übernehmen. Spätestens dann sind Probleme in der Mensch-Hund-Beziehung vorprogrammiert....
Noch ein wichtiger Hinweis: Auch ein besonders ängstlicher Hund braucht absolute Konsequenz um seine Angst durch das Vertrauen in das neue Herrchen/Frauchen abbauen zu können.

Kommen wir zu den materiellen Voraussetzungen. Der Hund benötigt einen Fressnapf, eine Wasserschale, Schlafkorb, Halsband, Leine und Haarbürste. Als Schlafplatz dient ein zugfreier Platz in der Wohnung. Am besten ist ein flacher Korb mit einer Decke. Auf keinen Fall darf der Hund ständig auf Steinboden liegen; Erkältungskrankheiten können die Folge sein.
Nun kommen wir zu dem viel wichtigeren Punkt - der Psyche. Bitte bedenken Sie, dass der Hund bis zur Aufnahme im Tierheim in einer anderen Umgebung gelebt hat, vielleicht in ständiger Unfreiheit, vielleicht schlecht behandelt, vielleicht von Kindern gequält; vielleicht aber auch in unvernünftiger Weise verwöhnt, vermenschlicht oder falsch erzogen. Im Tierheim ging es dem Hund gut, aber jetzt verliert er zum zweiten Mal in kurzer Zeit seinen gewohnten Lebenskreis, seine vertraute Umgebung und seine vertrauten Personen.

Es ist also eigentlich sehr verständlich, dass der Hund einige Zeit brauchen wird, sich an Sie und an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Möglicherweise leidet er insbesondere in der ersten Zeit unter starken Trennungsängsten, oder er könnte es erst einmal schwer haben, eine neue Bindung aufzubauen.

Bei diesen Problemen können Sie unterstützend helfen, indem Sie sich einige Tage, am besten wären zwei Wochen, Urlaub nehmen und diese Zeit mit Ihrem neuen Freund verbringen. Falls eine erwachsene Person Ihres Haushaltes nicht berufstätig ist, so erübrigt sich dieser Rat. Sofern Sie selbst, als Hauptbezugsperson halbtags arbeiten, sollten Sie schon einige arbeitsfreie Tage haben, um sich ganz dem Hund und seiner Eingewöhnung widmen zu können.
Um den Hund in seiner Neuorientierungsphase nicht zu sehr zu beanspruchen oder zu verwirren, sollten Sie darauf verzichten, ihn in den ersten Tagen bereits Ihrer Verwandtschaft und den Freunden vorzustellen. Der Hund muss zunächst Sie und die enge Familie kennen lernen, sich an sie gewöhnen und verstehen, dass er nun zu Ihnen gehört.

Die Liebe des Hundes ist oft über den Magen zu gewinnen. Manche Hunde aber verweigern das Futter mehrere Tage und trauern. Achten Sie auch darauf, dass gleich zu Beginn nicht alle Familienmitglieder gleichzeitig mit großem Hallo auf den Hund losstürzen. Sprechen Sie viel mit ihm; gleichmäßig, ruhig, unter beständiger Nennung seines Namens. Dazwischen kraulen Sie ihn und bieten ihm einen Leckerbissen an. Nach und nach sollen die übrigen Familienmitglieder es ebenso tun. Auch Sie brauchen Zeit und Muße, um sich auf den Hund und sein Verhalten einzustellen, um ihn kennen zu lernen. Das Wichtigste in dieser Zeit ist, dass der Hund Vertrauen zu Ihnen fassen kann, um so die Sicherheit zu entwickeln, die er vielleicht braucht, um weitere Menschen kennen zu lernen.
Ehe der Hund zu Ihnen kommt, sollten Sie gemeinsam mit allen Familienmitgliedern klare, für alle verbindliche Regeln und Kommandos festlegen.

Klären Sie, wo der Hund schlafen soll, ob er ins Bett darf, ob er auf dem Sofa liegen darf, wann er gefüttert wird, welche Kommandos er lernen soll, ob Sie ihn vom Tisch füttern wollen etc.
Besonders bei einem Hund, dessen Beziehung zu Menschen bereits einmal "schief gegangen" ist, sind klare Grenzen wichtig, damit er einen Rahmen hat, innerhalb dessen er Sie zufriedenstellen kann, damit dieses neue Zuhause mehr wird als ein vorübergehender Aufenthaltsort. Klare Regeln und liebevolle Konsequenz sind das A und O jeder guten Beziehung zwischen Mensch und Hund.
Damit kein Unglück geschehen kann, sollten Sie einige Zeit darauf verwenden, die Wohnung "hundesicher" zu machen für den Fall, dass Ihr neuer Hausgenosse vorübergehend nicht stubenrein ist oder eine Neigung zum Zerkauen von Elektrokabeln und Teppichen hat. Falls möglich sollten Sie Kabel entfernen oder sichern, teure Teppiche vorübergehend aus dem Zimmer nehmen und die Wohnung so gestalten, als erwarten Sie Besuch von einem Krabbelkind, das Sie keinen unnötigen Gefahren aussetzen wollen. Erweist sich der Hund als stubenrein und frei von "Zerstörungswut" auch dann, wenn er einige Zeit allein gelassen wird, so können Sie getrost den ursprünglichen Zustand wieder herstellen. In jedem Falle sollten Sie darauf verzichten, den Hund in den Kinderzimmern allein zu lassen, da dort möglicherweise Spielzeug verschluckt oder zerstört werden könnte.
Wenn Sie in einem Eigenheim mit Garten leben, sollten Sie diesen nach Möglichkeit einzäunen. Für kleine Hunde reicht eine Zaunhöhe von 100 bis 125 cm, große Hunde brauchen entsprechend höhere Zäune.

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Möglicherweise erscheinen Ihnen diese Ratschläge als etwas übertrieben oder umständlich, vielleicht bringen Sie nicht die nötige Geduld für all die Vorbereitungen auf, weil Sie Ihren neuen Hund so schnell wie möglich aus dem Tierheim "befreien" wollen. Glauben Sie uns: Der Hund hat es dort bis zum heutigen Tag gut gehabt, da kann er auch noch ein paar Tage dort bleiben, bis Sie die notwendigen Vorbereitungen getroffen haben. Den Kauf eines Wagens oder auch nur eines Fernsehgerätes bereitet man gut vor, obwohl es sich dabei nur um eine Sache handelt. Wie viel mehr muss man sich da auf die Ankunft eines neuen Hausgenossen vorbereiten, mit dem man möglichst viele glückliche Jahre verbringen möchte!

Ein Letztes: Es gibt keinen vollkommenen Menschen, so auch keinen vollkommenen Hund! Verzweifeln Sie nicht, wenn in den ersten Tagen nicht alles auf Anhieb klappt. Haben Sie bitte etwas Geduld. Die meisten Hunde lassen sich vom Menschen lenken, wenn dies mit Liebe, Geduld, Streicheleinheiten und Einfühlungsvermögen geschieht.

Sollte es trotzdem Probleme geben oder wird der Hund innerhalb der ersten Tage bei Ihnen krank, dann wenden Sie sich doch bitte gleich an uns - wir beraten Sie gern.